Runde 1 - Dominanz hoch 4

So jetzt mein kurzes Bericht zur ersten Runde, die hexte morgen um 8 Uhr begann (8 Uhr? Ernsthaft?! Wer denkt sich denn so welche Zeiten aus??). Wie schon beschrieben hieß unser Gegner SK Roland Weißenfels, die an Brett 1 mit 1218 DWZ klar um knappe 400 Punkte im Nachteil waren und an den anderen Brettern jeweils 50-100 Punkte weniger hatten. Wir (an 8 gesetzt) waren also gegen den an 18 gesetzten Gegner aus der Nähe von Leipzig klar favorisiert und wir wurden dieser Rolle auch gerecht und gewannen verdient mit 3½-½. Jetzt was kurzes zu den einzelnen Partien.
An Brett 1 spielte Henning eine hochkonzentrierte ruhige Partie, in der ein nahezu symmetrisches Endspiel mit Turm und Springer auf beiden Seiten entstand. Henning machte langsam Fortschritte und aktivierte seine Figuren immer mehr, so dass er das Remisangebot des Gegner ablehnen konnte. Anscheinend hat dies dem Gegner missfallen und das Zugtempo erhöhte sich merklich. Henning hat dies bemerkt und einfach seinen Turm nach vorne gezogen und den Springer angegriffen. Sein Gegner wollte wieder sehr schnell ziehen, berührte den König und musste ihn ziehen. Zack, war die Figur weg und die Stellung mit Mehrspringer wurde von Henning sicher und zielstrebig in den vollen Punkt verwandelt.
An Brett 2 hat
Åke eine Partie im Åke-Fuhrmann-Stil gespielt und ziemlich sicher gewonnen. Er spielt seine Eröffnung sicher und konzentriert, grabscht sich dann irgendwann einen Bauern, irgendwann einen zweiten und verteidigt sich dann konzentriert und einfach gut gegen den Königsangriff des Weißen, bis er einige Figuren abtauschen kann und mit einem völlig gewonnenen Endspiel zurückbleibt und dieses souverän gewinnt. Eine sehr schöne Partie von unserem Mann an Brett 2!
Alexander an zwei bekam es mit einem Gegner zu tun, der anscheinend noch nie gegen die Schottische Eröffnung gespielt hat und nach 3.d4 den Wunderzug 3…Ld6 entkorkt. Nach weiteren 4.d5 Sce7 bleibt eine schwarze Figur der tragische Verlierer in der ganzen Partie, der Läufer auf c8. Alex erkennt, dass der Läufer auf d6 schlecht steht, aber dass ein Bauer auf d6 noch VIEL schlechter stehen würde und spielt Sd2-c4-xe6 und erreicht eine Bauernstruktur mit weißen Bauern auf e4 und d5 und schwarzen Bauern auf e5, d6 und d7. Der Läufer auf c8 (und der damit auch der Turm auf a8) ist begraben. Schwarz opfert/stellt ein (ich bin nicht so sicher) kurz darauf unmotiviert eine Figur und bekommt dafür etwas, was optisch zwar nach Angriff aussieht, aber in Wirklichkeit nur Schall und Rauch ist. Alex konzentriert sich leider zu stark auf diesen „Angriff“ und macht trotz Mehrfigur einige sehr passive Züge und dadurch keinerlei Fortschritte, nur die Zeit wird immer knapper (an dieser Stelle Lib an alle 4 Spieler- in der ersten Runde wurde sehr langsam und konzentriert gespielt - sehr schön!). Nach einiger Zeit hat Alex dann aber auch wieder gesehen, dass Schwarz eigentlich gar nichts droht und sich entknotet und die Partie mit seiner Mehrfigur (trotz Zeitnot) sehr schön gewonnen.
Kommen wir schließlich zu Brett 4, an dem Johnson gegen einen deutlich schwächeren Spieler spielte. Man kann sich jetzt fragen, wie das alles zusammenpasst: Ich schreibe deutlich schwächerer Gegner, ich schreibe Dominanz hoch 4 und trotzdem spielen wir nur 3½-½? Ja, das stimmt alles! Klingt komisch? Ja, das kann sein, aber lasst mich erklären. Johnson machte aufgrund von Unkenntnis in der Eröffnung einen schlechten Zug und fand sich nach 5 Zügen schon in einer sehr unbequemen Stellung. Trotzdem arbeitete er sich wieder zurück und erreichte eine Stellung mit 4 gegen 3 Bauern auf einem Flügel und beide Spieler hatten noch einen Turm und zwei Leichtfiguren. In dieser (mittlerweile wieder klar besseren Stellung) patzte Johnson genau einmal, dafür aber extrem! Er stellte in einem Zug zwei Leichtfiguren ein, das ist gar nicht so einfach, aber es geht. Zurück blieb Johnson mit einem Turm und 4 Bauern und der Gegner mit einem Turm, 2 Springern und 3 Bauern. Dies ist normalerweise natürlich völlig verloren, aber Johnson schaffte es einen Springer zurückzugewinnen und es in eine Stellung mit weißem Turm, Springer und Bauer gegen einen einzelnen schwarzen Turm zu verwandeln. In diesem Endspiel stellte Weiß sich dann doch sehr schlecht an und Johnson schaffte es folgende Stellung zu erreichen:

Bildschirmfoto 2013-09-12 um 18.18.03

Weiß ist hier am Zug und kann es sich nicht verkneifen 63.g4+ zu spielen. Erst nach 63…Kg5! fällt ihm auf, dass er nicht mich 64. Se6+ den Turm auf d8 gewinnen kann, weil er nach 64…Kxh4 65.Sxd8 Kxg4 mit einem blanken Springer dasteht und das Remis beschlossen ist. Er entschied sich nach 63…Kg5! also für 64. Sg2, nur um nach 64…Te8+ mit 65.Kd4?? abermals fehlzugreifen und nach 65…Te2 66.Th2 Kxg4 das Remis zu akzeptieren.
Die ganzen Partien gibt es auf der Turnierhomepage http://www.dvm-schach.de/nvm_2013/index.htm immer aktuell.
Mein Bericht zur zweiten Runde gibt es heute Abend, wenn die Jungs vorbereitet sind.

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