Runde 5 - Eine Brücke zum Glück

Hallo liebe Computerprofis, ihr habt es bis hier hin geschafft (Zitat: Henning Holinka),
jetzt, drei Tag nach der Reise also endlich mein Bericht zur Glücksrunde Nummer 5. Glück musste man in dieser Runde echt groß schreiben, also eher GLÜCK! Warum betone ich das Wort GLÜCK in dieser Runde so stark? Ganz einfach, weil wir so verdammt viel GLÜCK in dieser Runde hatten und nur dadurch letztendlich mit 2,5-1,5 gegen den Treptower SV gewonnen. Gucken wir uns erstmal die Partien an, in denen das Ergebnis nicht von übermäßigem Glück beeinflusst wurde.
Lennart hat mit Schwarz in der Najdorf-Variante eigentlich eine recht angenehme Stellung erhalten, dann allerdings eine etwas passive Entscheidung getroffen und die Damen getauscht. Danach hat Lennart seinen Läufer auf h4 praktisch schon weggestellt und die äußerst ungünstige Figurenkoordination hat dann zum Qualitätsverlust und damit zum Verlust der Partie geführt.
So! Das wars mit den Partien in denen das GLÜCK keine entscheidende Rolle gespielt hat.
Am wenigsten war es vielleicht noch in der Partie von Åke, in der Åke seine eigene Eröffnung, die Pirc-Verteidigung leider sehr sehr schlecht behandelt und viel zu früh e5 gespielt, so dass Weiß einfach die Stellung öffnen und die Damen tauschen konnte und so eine sehr sehr gute Stellung erreichen konnte. Der Gegner hat sich aber anscheinend auf Pirc vorbereitet und hat die schlechten Züge von Åke einfach ignoriert und normale Standardzüge gespielt, die in der konkreten Stellung zwar okay, aber einfach nicht die Besten waren. Als Weiß dann doch endlich mal auf e5 genommen hatte, war er dann zwar noch gut, aber nicht mehr so durchschlagend wie noch zu Beginn. Åke hatte also zeitlich einen Minusbauern, aber dafür hatte Weiß halt den Doppel-Isolani auf e4 und e5. Åke hat es dann geschafft den e5 zu gewinnen, was nicht allzu schwierig war und dann auch noch den Bauern auf e4 geschnappt, was sehr stark herausgespielt war, indem er ihn wieder auf das schwache Feld e5 gelockt hat. Wenn Åke dann seinen Mehrbauern erst hat ist der schwierige Teil des Åke-Fuhrmann-Stils abgeschlossen und die Partie wird souverän zum vollen Punkt nach Hause geschoben. Ab Zug 10 eine tadellose Partie!
Es stand also 1:1 und diese beiden Partien (Luis an 1 und Henning an 3) mutierten zu einer einzigen GLÜCKsbombe! Ich rede die ganze Zeit von GLÜCK und jetzt zeige ich euch warum:
Henning stand schon nach der Eröffnung mit Weiß nicht allzu gut, weil er in den ersten Zügen eine Zugumstellung zur Vorbereitung nicht erkannte und deswegen mit h3 ein wichtiges Tempo hergab. Schwarz kannte sich dann in der Struktur nicht wirklich gut aus und tauschte die falschen Leichtfiguren ab, so dass die Partie wieder ausgeglichen war. Leider geschah dann etwas, was sonst so noch nicht passiert war: Henning machte fabrizierte einen taktischen Fauxpas und stellt einfach eine Figur für einen Bauern weg. Ab Zug 25 war diese Partie also objektiv verloren und wir hatten uns schon fast mit einem Wettkampf abgefunden, der höchstens 2:2 ausgehen konnte.
Grund dafür war die Partie von Luis mit Weiß an Brett 1. Luis hatte zwar nach der Eröffnung, einem Maroczy-Aufbau gegen den hyperbeschleunigten Drachen (den er dieses Mal fehlerfrei gespielt hat), eine angenehm zu spielende Stellung, aber mehr aus dieser Variante herauszuholen ist natürlich auch schwierig. Nach weiteren 20 Zügen hatte unser Spitzenbrett zwar einen Bauern mehr, aber die Stellung war normalerweise einfach Remis zu halten für Schwarz.
Innerlich hatte ich mich also schon auf eine knappen Niederlage mit 1,5:2,5 eingestellt, doch dann schlug das GLÜCK gleich doppelt zu: Erst spielte Hennings Gegner in dieser Stellung

HenningEndspiel

plötzlich 49…b3, weil er dachte, so seinen Bauern umwandeln zu können. Nach Hennings 50.Txe5 kam noch Ta2+ mit Remisangebot und wir freuten uns zumindest über unser 2:2, weil Luis Stellung sich inzwischen in dieses theoretische Remis verwandelt:

LuisEndspiel1

Hier muss Schwarz eigentlich nur Schachs seitlich von der a-Linie geben oder sich auf die sechste Reihe stellen um den König abzusperren bis Weiß sich gezwungen sieht seinen Bauern nach g6 zu ziehen. Dann geht der schwarze Turm auf die erste Reihe und gibt so lange Schachs von der Grundreihe, bis man sich auf Remis einigt.
Allerdings hatte der Gegner, Zitat Luis: „absolut keine Ahnung von Endspielen“ und erreichte nach nur ein paar Zügen diese Stellung mit Schwarz am Zug:

LuisEndspiel2

Hier funktioniert der Standartplan nach Phillidor (Absperrung der sechsten Reihe und dann Schachs von der Grundreihe) nicht mehr, weil auf 82…Ta6+ 83.g6 Ta1 der Plan an 84.Tb8# scheitert. Tortzdem ist diese Stellung absolut Remis, weil es sich bei Luis’ Bauern um einen g-Bauern handelt und diesem Falle ein Remis durch die sogenannte „passive Verteidigung“ einfach erreicht werden kann. Der richtige Remisweg wäre also 82…Ta6+ 83.g6 Ta8! (oder auch direkt 82…Ta8!) und jetzt pendelt der schwarze Turm pendelt einfach auf der achten Reihe (vorzugsweise den Feldern a8, b8 und c8) hin und her. Weiß kann keine Fortschritte machen, denn auf Tg7+ stellt sich der König einfach nach h8 und wenn der Turm weg ist, wieder nach g8. Doch das GLÜCK war uns an diesem Tage hold und Luis Zitat: „Mein Gegner hatte absolut keine Ahnung von Endspielen“ war einfach richtig und es geschah 82…Th1+??, worauf Weiß nach 83.Kg6 Kf8 84.Tb8+ Ke7 85.Kg7 Ke6 86.g6 Ke7 87.Kg8 eine theoretische Gewinnstellung, die Lucena-Stellung, in der Weiß durch den sogenannten Brückenbau seinen eigenen Turm als Schutzschild benutzt um die nervenden Schachs von der Grundreihe abzuwehren.
Nach einigen forcierten Zügen entstand also diese Stellung:

LuisEndspiel3

Hier muss Weiß nur noch den König aktivieren und gewinnen: 92…Th2 93.Kf7 Tf2+ 94.Kg6 Tg2+ 95.Kf6! (natürlich nicht Kf5 Txg7=) Tf2+ 96.Kg5! und die Brücke steht fast. Wenn jetzt Tg2+ gekommen wäre, oder nach dem gespielten 96… Kd5 kommt Tg4 und der Turm stellt sich zwischen König und den gegnerischen Turm und passt so auf den Bauern auf g7 auf, der sich dann einfach umwandelt. Wir hatten also tatsächlich mit 2,5:1,5 gewonnen, obwohl wohl wirklich niemand mehr daran geglaubt hatte. Respekt an Luis für diese Leistung im Endspiel und für diesen Kampfgeist! Nach diesem GLÜCKlichen Sieg führten wir also weiterhin mit einem Mannschaftspunkt und hatten nur noch zwei Spiele vor uns. Zwei Siege und wir wären Meister gewesen. Unser nächster Gegner hieß dann in der sechsten Runde erst mal SF Dortmund-Brackel. Wie ist es uns da wohl ergangen?

Und bevor die Frage aufkommt: Ja, es kommen auch noch Berichte zu Runde 6 und 7, eine Abschlusszusammenfassung und ein kleines Special, weil ich gemerkt habe, dass der Blog doch etwas zu schachlastig geworden ist und ich ja auch für Leser, die nicht so viel von Schach verstehen etwas bieten möchte.

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