Runde 1 - Ein Patzer und 3 Uneinsichtige

Hallo,
hier ein ganz kurzer Rückblick auf Runde 1, was natürlich nach zwei weiteren Runden nicht mehr ganz einfach ist…
An Brett 1 hat Luis zwar die Eröffnung nicht perfekt gespielt und im Maroczy-Aufbau gegen den beschleunigten Drachen zuerst Le3 (statt Le2) gespielt, was Sg4 und den Abtausch des starken schwarzfeldrigen Läufers zuließ. Dafür bekam Luis mit den Zügen Sc2-Sxe3 zwei sehr postierte Springer auf den Feldern c3 und e3, die gemeinsam alle wichtigen Felder auf dem Brett kontrollierten. Schwarz muss im Maroczy normalerweise versuchen einen der Hebel b5 oder d5 (notfalls auch f5) durchzudrücken um seine Stellung zu entknoten. Dies wahr aber offensichtlich nicht die Idee des Gegners und Luis konnte so langsam, aber sicher seine Stellung verbessern und schlussendlich mit c5 die Stellung öffnen und den Gegner in der Brettmitte überrollen. Alles in Allem eine sehr starke Partie, bei der sich einfach die deutlich höhere Spielstärke von Luis gegen die nominelle Nummer 2 unserer Gegner (Nummer 1 hat pausiert) durchgesetzt hat.
Unsere nominelle Nummer 2 Lennart hat in der ersten Runde nicht gespielt und stattdessen
Åke und Robert den Vortritt gelassen. Sehr, sehr nett! Leider hat er dann im Ersatzspielerturnier eine sehr unglückliche Partie gespielt und schlussendlich auch verloren.
Henning hat (aufgerückt) an 2 mit Schwarz eine Partie im typischen Henning-Stil gespielt, soll heißen er hat seine Figuren etwas unharmonisch hingestellt, eine positionelle Ungenauigkeit gemacht, aber dann taktisch alles gesehen, einen Bauern gewonnen, einen weißen Läufer auf a2 ausgesperrt, taktisch einen weiteren Bauern gewonnen, alle Figuren abgetauscht und dann souverän gewonnen.
An Brett 3 hatten wir dann wieder Weiß und
Åke hat dort die erste Turnierpartie seines Lebens mit 1.c4 souverän gewonnen. Viel mehr kann man zu dieser Partie auch eigentlich gar nicht sagen, er hat seinen Gegner einfach positionell überspielt und eine sehr gute bis gewonnene Stellung erreicht, in der der Gegner dann auch noch einzügig eine Figur eingestellt hat. Das entstandene Endspiel hat Åke dann einfach leicht und locker nach Hause gefahren.
Schlussendlich an Brett 4 hat Robert eine eigentlich sehr schöne Partie mit Schwarz gespielt und sich in einem nachträglich angenommenen Morra-Gambit eine sehr angenehme Stellung (mit Mehrbauern) erarbeitet. Leider hat er dann einmal an einem entscheidenden Punkt viel zu kurz nachgeht und sehr unvorsichtig das Zentrum geöffnet, was Weiß deutlich mehr half als Robert und ein paar Züge später war der schwarze König Matt gesetzt worden.
Alles in Allem haben wir also mit
3:1 gegen den SK Bebenhausen gewonnen, wobei wir an allen 4 Brettern gezeigt haben, das wir die stärkeren Spieler sitzen hatten. Robert hat leider einzügig seine so schöne Partieanlage weggeben, was schon mal das Wort Patzer im Titel erklärt. Wer sind also die 3 Uneinsichtigen, die der Titel so anpreist? Ganz einfach: Die drei Uneinsichtigen sind die Bretter 1-3 die folgende Stellungen bis zum Matt weiterspielten:
Brett 1: König gegen Turm+Turm+König+Bauern
Brett 2: König und 2 Bauern gegen Dame+6 Bauern+König
Brett 3: König+Bauern gegen Dame+Läufer+Bauern

So etwas muss man wirklich nicht machen. Wir sind auf einer deutschen Meisterschaft und unsere Spieler sind locker stark genug um diese Stellungen blind zu gewinnen, ohne Patt zu setzen. Fand ich etwas komisch, aber was soll’s.
In der zweiten Runde hieß unser Gegner dann SV Blauer Springer Paderborn. Wie es uns da ergangen ist, erfahrt ihr in ein paar Stunden.
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